Wem kann man den heute noch Briefe schreiben? Ich meine, ich kenne schon einen Haufen tolle Menschen. Bei meinem aktuellen Freundeskreis – meinen Bruder jetzt mal ausgenommen – ist jedoch kein Mensch so lange an meiner Seite wie Shannon. Wer ist denn nun wieder Shannon?

Shannon ist eine junge Frau aus den USA. Kennengelernt haben wir uns vor Jahren, als ich im Internet surfte und so viel Langeweile hatte, dass ich die Website „Omegle“ aufsuchte. Auf dieser Seite wird man mit zufälligen Teilnehmer aus der ganzen Welt verbunden und hat die Möglichkeit mit diesen zu chatten. Und irgendwie haben wir uns so gut verstanden, dass wir in Kontakt geblieben sind.

Das ist nun gute sechs oder sieben Jahre her. Wir schreiben nicht jeden Tag und kommen nicht dazu regelmäßig via Skype miteinander zu sprechen und trotzdem haben wir so lange den Kontakt gehalten. Sie hat mich, auch wenn wir uns bisher nie persönlich getroffen haben, durch ziemlich schlechte Zeiten begleitet und stand mir mit guten Ratschlägen zur Seite. Manchmal braucht man jemanden, der die Sonne sehen kann, damit er dir sagen kann, dass der Regen bald vorbei ist.

Darum geht es nun aber gar nicht. Es geht darum, dass ich einen Brief geschrieben habe! Ich! Einen Brief! Im Jahr 2017. Und das sogar freiwillig.
Nach Jahren des virtuellen Kontakt war es so, dass Shannon mir mitteilte, dass sie mein Profilbild mag, dass Walt bei einer gemeinsamen Jamsession aufgenommen hat. Sie sagte mir ich solle ihr mal ein signiertes Exemplar schicken, bevor ich ein großer Musiker werde. Ich habe also nach ihrer Adresse gefragt und sie fing an zu lachen. Dann versicherte ich ihr, dass das mein Ernst war. Ich schicke ihr einen Brief und ein paar Fotos.

Das besagte Profilbild
Ein Brief. Und das im Jahre 2017. Verrückt!

Gesagt, getan! Sie gibt mir also ihre Adresse und ich schreibe einen Brief. Nun ist es ja so, dass sie eigentlich eh über alles Bescheid weiß, was so in meinem Leben vorgeht. Also war es gar nicht so einfach etwas aufzuschreiben. Aber wer mich kennt weiß, dass mir da schon was eingefallen ist. Außerdem hatte ich ja ein paar Fotos, die für sich selbst sprechen. Unter anderem auch die signierte Version meines Profilbildes.

Außerdem wollte ich gerne etwas persönliches beifügen. Das musste nichts großes sein aber ich wollte schon gern etwas mitschicken, was sie immer an mich erinnert, auch wenn die Fotos verloren gehen oder verblassen.
Meine Wahl fiel auf ein Plektrum. Viele werden jetzt sagen, dass die Dinger nichts wert sind und nichts kosten, was auch völlig richtig ist. Für mich war es aber ein persönlicher Wert, da es eines der Pleks war, mit denen ich – seit ich alleine wohne – spielen gelernt habe. Es war mein Lieblingsplek. Ich habe also dazu geschrieben, dass sie immer einen Teil von mir bei sich hat, solange sie dieses kleine Stück Plastik bei sich trägt.

Mein kleines Plek in ihren Händen. Quasi Urlaub in den USA.

Das Beste daran ist, dass sie daraus eine Kette gemacht hat. Ich bin nun also immer nah an ihrem Herzen. Das mag für einige kitschig klingen aber mir bedeutet das sehr viel.
Shannon hat mir darauf etwas versprochen. Und ich bin gespannt ob sie es einhält. Sie sagte, dass sie mir das Plek wiedergeben wird. Und zwar persönlich. Ich bin gespannt, wie viele Jahre es dauern wird, bis ich einen meiner Schutzengel persönlich treffen werde. Aber ich freue mich schon jetzt drauf!

Die Kette