Vorwort: Dies hier ist der Anfang einer Reihe von Kurzgeschichten rund um Hank, der in zwei Meiner Beiträge eine Art Sprecherrolle spielte. Die Handlung der Geschichte könnt ihr aktiv durch Nachrichten oder Kommentare beeinflussen, da ich immer offen für Inspiration bin um die Handlung weiter zu führen. Nun lehnt euch zurück, versetzt euch in die Lage eines schlecht gelaunten Mannes in einer dreckigen, zu vollen Stadt.

Willkommen in meinem Kopf

Mittwochabend. Die Sonne über der Stadt geht unter, die Menschen verziehen sich in ihre Häuser und die Straßen leeren sich. Das endlose Rauschen des Verkehrs ebbt ab und wird zu einem gelegentlichen Brummen, wenn mal wieder ein Auto vorbeifährt. Das Problem dabei ist, dass man immer mehr mit seinem eigenen Kopf alleine ist.

Und damit auch mit den Geistern, die einen jeden Tag heimsuchen. Man schafft es irgendwie die kleinen Bastarde zu verdrängen und dann, mitten in der Nacht, holen sie dich ein.
„Ich weiß, was ihr wollt. Aber ihr habt keine Chance. Die Waffe gegen euch Quälgeister habe ich schon lange gefunden“, geht es mir durch den Kopf. Auch heute entgehe ich meinen Verfolgern wieder indem ich meine Sinne betäube. Ich schenke mir einen Scotch ein. Whiskey. Eigentlich mag ich das Zeug nicht mal. Aber unter all dem, was mir zur Auswahl steht ist es noch das Erträglichste, was man in sich hinein schütten kann um weniger denken zu müssen. Ich weiß, dass es keine Dauerlösung ist, aber was seit Wochen funktioniert behalte ich erstmal bei, Dann holen sie mich zwar in meinen Träumen aber ich muss mir im wachen Zustand keine Gedanken über all das machen, was passiert. Die Welt ist grausam, unbarmherzig und schlecht zu all denen, die versuchen sie zu einem besseren Ort zu machen.
Wir stechen zu sehr heraus aus der Masse. Und der Mensch tendiert dazu alles auszugrenzen, was anders ist. So sind wir nun mal. Undankbar… Es gibt die einen, die damit umgehen können und ihren Weg weiter verfolgen und die, die daran zu Grunde gehen. Ich scheine zu der ersten Sorte zu gehören. Mein Name ist Hank Ryan. Ich habe lange als Cop gearbeitet und nun bin ich als Privatdetektiv tätig. Ich kann mich damit gerade so über Wasser halten aber ich habe die Schnauze voll davon mich anderen unterzuordnen. Gerade wenn ich weiß, was es für Arschlöcher sind.

Der dritte Whiskey tut seinen Dienst, ich lege mich auf die Couch und entgleite recht schnell in das Land der Träume.

Ich bin auf einer Party. Ein Typ kommt auf mich zu, guckt ziemlich grimmig, lässt mich nicht aus den Augen, geht dann aber weiter. Ich bin ein wenig überrascht und fühle mich unwohl.
„Wo zur Hölle bin ich hier“, frage ich mich selbst. „Das sieht aus wie ein kleines Haus in dem gerade eine Party steigt. Aber wie bin ich hier hergekommen und wer sind all diese Arschlöcher? Was haben die für ein Problem mit mir?“

Ich gehe den kleinen Flur entlang in Richtung der Küche, wo ich auf drei junge Männer treffe. Einer von ihnen – ein großer, blonder, recht schlaksig aussehender Kerl von vielleicht 20 Jahren – dreht sich zu mir um, grinst auf einmal hämisch über das ganze Gesicht und sagt zu seinen Freunden: „Guckt mal, Jungs, wer da ist. Der alte Sack ist endlich wieder aufgetaucht. Mal sehen ob er uns heute entkommen kann.“
Kaum hat er seinen Satz beendet kommt die kleine Gruppe auf mich zu. Sie alle grinsen, lachen und grölen auf eine verstörende Art und Weise. Ich bin nicht dumm und weiß, dass ich lieber laufen sollte. Und genau das tue ich. Ich höre sie direkt hinter mir. Durch die Küchentür geht es wieder in den kleinen Flur, heraus aus der Haustür auf die Straße. Es ist eine geschwungene Straße, wie in einem Dorf in den Bergen. Kopfsteinpflaster ziert den Weg. „Wo zum Teufel bin ich hier?“, keuche ich, meinen Verfolgern, die deutlich besser in Form sind als ich, nur wenige Schritte voraus.
„Komm zurück, alter Mann. Es hat die letzten Male schon nicht geklappt und heute wirst du uns auch nicht entkommen! Ich kriege dich und werde dir deinen fetten Arsch aufreißen!“, brüllt mir einer der Jungs hinterher.
Ich flüchte die Straße entlang und komme zu einem kleinen Parkplatz. Ich drehe mich um und scheine die Meute abgehängt zu haben. „Sie sind weg. Einfach so. Ich zweifel an mir und meinem Verstand. Gerade eben waren doch noch drei Leute hinter mir her. Sie waren mir so dich auf den Versen, dass ich ihren Atem im Nacken hätte spüren können.“

Meine Gedanken werden von einem leisen Klicken unterbrochen. Ein Geräusch das mir bekannt vorkommt. Geistesgegenwärtig lehne ich mich gegen ein Auto und bewege mich von dem Geräusch weg, als plötzlich überall Kugeln einschlagen. Es war das Durchladen eines Maschinengewehrs. Einer der drei Jungs – diesmal ein kleiner, dicker mit braunem Haar und herausstechenden blauen Augen- kommt mit einem lauten Schrei und einem Gewehr im Anschlag auf mich zu. Langsam. Aber er kommt nähe. Wieder drehe ich mich um und beginne zu rennen. Mit einem Mal ist alles schwarz. Dann spüre ich einen dumpfen Schlag.

Ich reiße die Augen auf. Ich bin wieder in meinem Büro. „Was zur Hölle…?“, schreie ich laut.
„Was war das?“

Meine Gedanken überschlagen sich. „War ich nicht eben noch… Das kann doch nicht…“, sage ich mir aufgeregt. Und dann dämmert es mir. Alles nur ein Traum. Ein verdammter Alptraum. Haben mich diese kleinen Schweine doch wieder bekommen. Der selbe Alptraum, wie ich ihn mindestens einmal in der Woche habe. Ohne jede Vorwarnung haben sie mich überrascht. „Was für eine beschissener Traum“.

Der Blick auf meine Uhr offenbart mir die traurige Wahrheit. Es ist inzwischen halb acht. Also wäre es eh langsam Zeit aufzustehen. Auch, wenn ich die Augen kaum aufbekomme. Ich stehe vom Boden auf, klopfe mir den Dreck von meinem verschwitzten Hemd, greife zu dem Glas auf meinem Schreibtisch und nehme einen Schluck von dem Rest meines Scotch, der vom gestrigen Abend übrig geblieben ist. Vor mir das offene Fenster. Die Straßen sind wieder voller Leben. Menschen laufen hektisch von A nach B und scheinen sich selbst so unglaublich wichtig zu fühlen auf der kleinen Mission, die fürs große Ganze völlig irrelevant ist.

Ein Klopfen an der Tür meines Büros reißt mich aus meinen Gedanken. „Herein“, sage ich mich lauter, fester Stimme, auch wenn ich noch nicht wach bin und erst mal meine Sinne ordnen muss.

Zaghaft wird die Tür geöffnet und eine junge Frau steckt ihren Kopf durch den Spalt…

„Hallo. Sind sie Hank Ryan?“