Was für ein ätzender Sonntag. Mein gestriger Abend endete komisch und der heutige Tag begann nicht unbedingt besser. Es ist einer dieser Tage an denen mein Kopf mir einen Sprecher zuweist, der das Geschehen und meine Gedanken kommentiert. Fast so wie Bruce Willis in „Sin City“. Immerhin ist es eine verdammt männliche Stimme, die mir da im Kopf rum spukt, wenn er bloß diesen Krimi-Stil ablegen könnte.

„Ich mache langsam die Augen auf. Verdammt, welcher Tag ist heute? Wo war ich gestern und woher kommen diese Kopfschmerzen? Ach ja. Ich war was trinken. Eigentlich zu wenig, als dass mir der Kopf wehtun sollte aber man wird ja nicht jünger. Scheiße, ich will nicht aufstehen. Aber warum sollte ich auch? Es ist Sonntag, keiner wartet auf dich und du musst nicht arbeiten.“, geht es mir durch den Kopf und ich schnappe mir mein Handy. Ich öffne YouTube und lasse mich ein wenig berieseln.

„Schon halb zwölf. Mist, ich hasse es so lange zu schlafen.“

Eine halbe Stunde später quäle ich mich trotzdem aus dem Bett. Ich gehe zu meinem Wohnzimmerfenster, das praktischer weise auch das Fenster meines Schlafzimmers ist und werfe einen Blick hinaus.
„Na geil. Regen. So fange ich meinen Tag am liebsten an. Aber es passt zur allgemeinen Stimmung also was solls. Und was fange ich jetzt mit dem heutigen Tag an? Mir ist nach Bier. Aber du kannst nicht schon um diese Uhrzeit trinken, Flo. Auf der anderen Seite bist du erwachsen.“

Ich habe mich doch dagegen entschieden. Ich sollte erstmal was essen und mich ein wenig in eine ansehnliche Form bringen. Also gibt es das spektakulärste Frühstück, für das ich Motivation finde. Cornflakes. Ich kann gar nicht so viel fluchen, wie meine aktuelle Laune es verdienen würde.
„Sonntagmorgen. Deine Freunde waren feiern und du hattest mal wieder kein Geld. Also allein nach Hause und dann? Ich habe auf dem Sofa gesessen und zu agressive Musik über die Kopfhörer gehört, die vom Heimweg noch in den Ohren steckten. Natürlich viel zu laut. Dabei muss ich eventuell ein wenig geschwankt haben, denn auf dem Weg haben die anderthalb Liter Bier langsam ihre Wirkung entfaltet. Nach dem essen gehe ich duschen und widme mich dann irgendeiner sinnvollen Ablenkung um diesen Tag möglichst schnell hinter mir zu lassen.“

Die folgende Szene könnt ihr euch fast wie in einem Film vorstellen, der von der Qualität zu meinem Kopf-Kommentator passt. Ich komme aus der Dusche, trockne mich ab und lehne mich auf das Waschbecken. Ich schaue dem Menschen, der mich aus dem Spiegel anschaut tief in die Augen, denke nur etwas in Richtung „fick dich doch…“, löse den Blick und fange an mich anzuziehen.

„Bier wäre jetzt echt gut. Das kannst du jetzt irgendwie gebrauchen. Oder Musik! Musik hilft immer. Und, weil Musik ja bekanntlich einen starken Einfluss auf unsere Emotionen hat suche ich besser etwas passendes raus. Laut und agressiv, weil mich dieser Sonntag, diese Welt und dieser Typ im Spiegel heute mal am Arsch lecken können.“

Ihr merkt an meinem Schreibstil und an den verwendeten Worten, dass ich heute mal nicht den Optimismus lebe, den ich sonst versuche so konsequent durchzusetzen. Heute ist ein Scheißtag. Ich weiß, dass meine Gedanken auch meine Emotionen lenken und ich mich selbst in eine positivere Laune versetzen kann. Aber heute will ich das nicht. Auch ich darf mal einen Scheißtag haben, wenn ich die letzte Woche so oft versuchen musste stark und positiv zu bleiben.

Der Hit meines Morgens ist definitiv das Lied „I’m so sick“ von der Band Flyleaf (Link) und genau so fühle ich mich.

„I’m so sick, infected with
Where I live
Let me live without this
Empty bliss, selfishness
I’m so sick
I’m so sick „

„Sick and tired. Das bin ich. Heute habe ich mal die Schnauze voll von dem ganzen Scheiß da draußen. Die Schnauze voll von dem, was in meinem Kopf vorgeht. Von dem, was ich im Herzen mit mir rum trage. Von der Einsamkeit und dem Alleinsein. Davon, dass ich wieder mal nicht weiß, was ich heute mit mir anfangen soll. Ich könnte ein Lied auf Gitarre lernen aber irgendwie habe ich das Gefühl keine wirklichen Fortschritte zu machen. Also wozu das ganze? Ich kann mir aktuell nicht mal die einfachsten Akkorde merken. So wird das nichts mit dem Ziel endlich Straßenmusik zu machen.“

Wäre es ein alter Krimi würde ich jetzt wahrscheinlich zu einem Schrank gehen, mir einen Whisky einschenken, aus einem Fenster in meiner Bruchbude schauen auf die nächtliche Stadt, die friedlich schläft und wortlos dastehen um die Kulisse zu genießen.
Aber ich bin modern. Ich bin Blogger und ich bin genervt also lege ich meinen Zeichenblock zur Seite, da ich während der Zeichnung von meinen Kopfhörern die Idee für diesen Text entwickelt habe, schnappe mir die Tastatur und schreibe das auf, was mir durch den Kopf geht.

Scheiß auf diesen Tag. Scheiß auf das, was mir durch den Kopf geht und scheiß auf das, was ich fühle.

Heute ist nicht mein Tag…

Hoffentlich ist euer Tag besser. Motivation und berichte gern in die Kommentare 😉